Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 94721
Datum der Veröffentlichung : 2/9/2016 1:39:52 PM
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Gedenkveranstaltung zu Ehren des Ayatollah Sheykh Bagher Al-Nimr im Islamischen Zentrum Hamburg e.V.

Die Gedenkveranstaltung zu Ehren des Märtyrers, Ayatollah Sheykh Bagher Al-Nimr (r.), wurde am Donnerstag, dem 7. Januar 2016, mit der Anwesenheit einer beeindruckenden Anzahl von schiitischen und sunnitischen Muslimen und wissenschaftlichen sowie kulturellen Persönlichkeiten unterschiedlicher Nationalitäten, wie beispielsweise deutsche, iranische, türkische, afghanische, pakistanische, libanesische und irakische Persönlichkeiten im Islamischen Zentrum Hamburg e.V. abgehalten. Im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung und Zeremonie ehrten die Anwesenden diesen verehrten Gelehrten und Bürgerrechtler mit der Rezitation der heiligen Sure Al-Fatiha und dem Gruß des edelmütigen Propheten (S.A.S.) und seiner Reinen Nachkommenschaft.

Der erste Redner im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung war Herr Sheykh Burhanettin Dag, vom Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V. (ZMD). In einem Teil seiner Rede verwies er auf den 39. Vers der heiligen Sure Al- Ahzab und deutete auf die Verpflichtung und Mission der Werbung religiöser Gelehrter hin und äußerte folgendes: Der allmächtige Gott offenbart im heiligen Koran folgendes:                  " الَّذِينَ يُبَلِّغُونَ رِسَالَاتِ اللَّهِ وَيَخْشَوْنَهُ وَلَا يَخْشَوْنَ أَحَدًا إِلَّا اللَّهَ وَ كَفَى بِاللَّهِ حَسِيباً " " [...]die Allahs Botschaften übermitteln, Ihn fürchten und niemanden fürchten außer Allah. Und Allah genügt als Abrechner." (Al- Ahzab | 33: 39). Religiöse Gelehrte müssen das Rechte Wort und die Botschaft Gottes ohne Angst und Furcht vor unterdrückenden Herrschern verbreiten und die Menschen aufklären können

Ayatollah Al-Nimr hat den Weg seiner Exzellenz, Imam Hussein (A.S.), gewählt und seine Parole besagte folgendes: " نُعیش احراراً او نَموتُ ابراراً " "Entweder leben wir in Freiheit oder wir sterben wie die Guten und Tugendhaften". Die unterdrückende Regierung Saudi Arabiens zeigte ihm nur zwei Wege auf: Entweder sollte er sich öffentlich bei der Regierung Saudi Arabiens entschuldigen und offensichtliche Reue und Bedauern zeigen oder sterben und den Tod auf dem Weg Gottes wählen. Und er wählte, wie auch der Gebieter der Freiheitskämpfer und Bürgerrechtler, den zweiten Weg und rief auch während seiner Hinrichtung " هیهات منّا الذلّه ". Ayatollah Al-Nimr kämpfte für die Freiheit der Gedanken und Ansichten und die Rechte der Bürger sowie die gesellschaftliche Gerechtigkeit und setzte sich dafür ein.

Der nächste Redner im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung war Herr Sheykh Abdolbagher, ein sunnitischer Gelehrter und Imam der Vahdet Moschee in Hamburg. In einem Teil seiner Rede erinnerte er an Religionsgelehrte als Nachkommenschaft des edelmütigen Propheten des Islam (S.A.S.) und äußerte folgendes: Gelehrte stellen die Nachkommenschaft und Treuhänder des edelmütigen Propheten (S.A.S.) dar, aber nur unter der Voraussetzung, dass sie sich von der Weltlichkeit und der Unterjochung unter politischen Mächten distanzieren und diese vermeiden. Ein Gelehrter muss frei sein und sich ungebunden und bedingungslos der Verbreitung der Religion widmen.

Die größten Probleme der islamischen Welt rühren aus Intrigen von Gelehrten, welche die Religion verkauft und sich an das Diesseits und an diese Welt gebunden haben. Normalerweise können Politiker und unterdrückende Herrscher die Existenz freiheitskämpfender und freier Gelehrten nicht ertragen und aus diesem Grund wird man weltweit Zeuge von Terrorisierungen gegen Bürgerrechtler und freiheitskämpfende Gelehrte wie beispielsweise Ayatollah Al-Nimr. Wir bedauern den Märtyrertod dieses freiheitskämpfenden Gelehrten zutiefst und sprechen unser Beileid an alle Menschen auf dieser Welt aus. Zweifellos sind alle Märtyrer am Leben und dieses reine Blut der Märtyrer hält auch den Islam am Leben.

Der verehrte Hojatolislam Valmoslemin Heydari, Imam und Leiter der Bilal (r.) Moschee in Hamburg, gehörte zu den weiteren Rednern im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung. Nach der Verkündung seiner Trauer und seines Mitgefühls zum Märtyrertod des Ayatollah Al-Nimr, verwies er auf heilige Koranverse, um die ehrenwerte Stellung des Märtyrers hervorzuheben. In diesem Zusammenhang äußerte er folgendes: Die Stellung und der Rang des Märtyrers sind so wertvoll und erhaben, dass der heilige Koran für den Märtyrer sogar eine besondere Existenz ins Auge gefasst hat und folgendes offenbart: " وَ لَاتَقُولُوا لِمَن يُقْتَلُ فِي سَبِيلِ اللَّهِ أَمْوَاتٌ بَلْ أَحْيَاءٌ وَلَٰكِن لَّا تَشْعُرُونَ " "Und sagt nicht von denen, die auf Allahs Weg getötet werden, sie seien tot! Nein! Vielmehr sind sie lebendig; aber ihr nehmt es nicht wahr." (Al- Baqara | 2: 154).

Und in Bezug auf die Stellung des Gelehrten offenbart der edelmütige und erhabene Prophet des Islam (S.A.S.) auch folgendes: " مداد العلماء افضل من دماء الشهداء " "Der Stift der Gelehrten besitzt einen höheren und wertvolleren Stellenwert als das Blut der Märtyrer." Ayatollah Al-Nimr war nicht nur ein ehrenvoller Märtyrer, sondern auch ein Gelehrter und Verbreiter der Religion. Er besaß eine Hawza und widmete sich dem Dienst der Gesellschaft und der Erweiterung der Bildung und des Wissens und der Verbreitung und Werbung der Religion.

Die Regierung Saudi Arabiens wälzt sich im Dreck und Schmutz, den sie sich selbst zuzuschreiben hat, und nimmt an, dass sie mit der Hinrichtung und ungerechten Ermordung freiheitsliebender Menschen und Bürgerrechtler, wie beispielsweise Ayatollah Al-Nimr, ihre unheilbringenden Ziele erlangt. In jedem islamischen Land, in dem eine Ungerechtigkeit erfolgt und ein Verbrechen verübt wird, erkennt man heutzutage die Fußspuren der Regierung Saudi Arabiens. Und leider unterstützen sie fanatische und fundamentalistische Gruppierungen in unterschiedlichen Ländern, wie beispielsweise Syrien, Afghanistan und Irak, finanziell mit immensen und übertrieben hohen Beträgen aus der Gemeinschaftskasse der Muslime.

Der letzte Redner im Rahmen dieser Gedenkveranstaltung war der verehrte Hojatolislam Valmoslemin Dr. Torabi,  Leiter der Islamischen Akademie Deutschland e.V.. Zunächst äußerte er sein tiefes Bedauern und Beileid über den Märtyrertod des Ayatollah Al-Nimr und erinnerte sich an ihn als kundigen Gelehrten unserer Zeit und verantwortungsbewussten und pflichtbewussten Muslim und fügte folgendes hinzu: Der verstorbene Ayatollah Sheykh Al- Nimr gehörte zu den Gelehrten des Islam, der in Bezug auf die Menschen- und Bürgerrechte in Saudi Arabien aktiv war und allein aufgrund dieser Aktivitäten im Gericht Saudi Arabiens zur Hinrichtung verurteilt wurde und trotz der Fürsprache und Schlichtungsversuche großer Persönlichkeiten der islamischen Welt und Regierungspräsidenten zahlreicher islamischer Länder und großer Persönlichkeiten der Welt und auch der Fürsprache internationaler Organisationen, schließlich vor den verwunderten Augen der Menschen weltweit auf grausame Art und Weise hingerichtet und getötet wurde. Wir verkünden unser Beileid über diese bedauerliche Tat an alle Muslime und alle Bürgerrechtler und Freiheitskämpfer auf dieser Welt und erachten die Bewegung und Aktion der Regierung Saudi Arabiens als widersprüchlich und gegen jegliche menschliche Prinzipien.

Leider beruhen heutzutage einige Bewegungen auf der Leitung fundamentalistischer und gefährlicher salafistischer, exkommunikativer und jihadistischer Ansichten basierend auf den Lehren des Ibn Taimiya und Mohammad Ibn Abdolvahab. Diese Art von Ansichten verlaufen jedoch im Verborgenen und Geheimen und werden in Universitäten, wie beispielsweise die Universität in Medina und Riad unterrichtet und hunderte Bücher und Artikel und Zeitschriften, welche gefährliche und für die Sicherheit der Welt bedrohliche Ansichten umfassen, werden auf umfangreicher Ebene und in unterschiedlichen Sprachen gedruckt und vervielfältigt und verbreitet.

In diesem Rahmen werden einige transregionale und transreligiöse Dimensionen der Gefahr des exkommunikativen Wahabismus als eine Bedrohung für die weltweite Sicherheit angerissen und im Folgenden aufgeführt:

1- Die Fatwa zur Zerstörung jeglicher Art von westlichen und östlichen Werken der Zivilisation in der Vergangenheit und der Gegenwart als Manifestation des Polytheismus:

Aus weltlicher und transreligiöser Sicht basiert die salafistische exkommunikative Kultur auf der Zerstörung der Zivilisationen. Die Zerstörung und Vernichtung der Werke der vergangenen und aktuellen Zivilisationen mit der Illusion, dass die Errichtung großartiger und origineller Gebäude das Symbol für Ungläubigkeit und Götzendienerei darstellen, zählt leider zu einer der Quellen des Wahabismus. Sie setzen sich gegen jegliche Art von antiken Werken und Gebäuden, obgleich sie heilig oder nicht heilig sein mögen. Und falls der Widerstand des islamischen Volkes bis heute nicht bestanden hätte und nicht weiterhin bestehen würde, so würden sie sogar die heilige Grabstätte des edelmütigen Propheten (S.A.S.) zerstören.

Die Zerstörung des Baqi al- Gharqad- Friedhofes stellt ein Beispiel dafür dar. Im Rahmen ihrer hundertjährigen Geschichte und ihres hundertjährigen Bestehens haben sie Karbala und Schreine sehr oft angegriffen und soweit sie konnten versucht, historische Gebäude und Denkmäler zu zerstören; und außerdem haben sie zahlreiche Drohungen in Bezug auf die Zerstörung von historischen Denkmälern und Gebäuden weltweit wahr gemacht, von den historischen Denkmälern in Bamiyan in Afghanistan über die Denkmäler in Palmyra in Syrien und Damaskus bis hin zu Mossul und den Museen im Irak oder den Zwillingstürmen des World Trade Centers in den Vereinigten Staaten von Amerika und sogar dem jüdischen Friedhof in Paris - nichts haben sie ausgelassen und an all diesen Denkmälern haben sie sich vergangen und keinerlei Erbarmen gezeigt. Aus diesem Grund stellen die Anhänger dieser Ansichten und dieser Denkweise eine Bedrohung für alle Kulturen und Zivilisationen dieser Welt, obgleich religiöse oder nicht-religiöse Kulturen und Zivilisationen, dar.

Diese Ansichtsweise wird von der Öffentlichkeit der schiitischen und sunnitischen Muslime jedoch für ungültig erklärt und aus den Versen des heiligen Koran, welche belegt sind, und auch den Überlieferungen aus der Nahjul Balagheh ("سِرهم فی دیارهم و آثارهم ") geht die Erforderlichkeit der Erhaltung historischer Werke und Denkmäler und die Bauerlaubnis eindrucksvoller und großartiger Gebäude klar und deutlich hervor.

2- Fatwa zur Tötung der Gegner, obgleich welcher Religion sie angehören:

Der Jihad, mit der Bedeutung der Tötung und Ermordung aller Gegner, obgleich sie Muslime oder Nicht-Muslime sind, gehört zu einer weiteren ihrer heiligen Glaubensansichten, auf die sie stark bestehen. Diese Glaubensansicht besitzt auch weltweite Folgen und stellt eine große Gefahr dar, die im Wesen des Salafismus existiert. Die Glaubensansichten und das daraus resultierende dogmatische und monopolistische Verhalten der Salafisten in Bezug auf deren Obligation zur Tötung aller Angehöriger anderer Religionen und Glaubensrichtungen außer des Salafismus, stellen ein Gift dar, welches alle Gewässer auf dieser Welt verseuchen kann.

Sie sind davon überzeugt, dass eine Person, welche einen Mord gegen einen ihrer Gegner und Opponenten begeht, ein Freiheitskämpfer ist und nach seinem Tod sicherlich in den Himmel eintreten wird. Diese Ansichtsweise führt zur Anwerbung und Anziehung unwissender, desillusionierter und hoffnungsloser Menschen oder Menschen mit Komplexen und führt auch zur Entstehung von Terrorismus. Es gibt nicht wenige organisierte terroristische Gruppierungen auf dieser Welt, welche mit der Verbindung ihrer Ansichten an die salafistische Bewegung die Sicherheit dieser Welt bedrohen. Vielleicht ist auch niemand im Stande, sie in Bezug auf die Sicherheit zu bändigen und zu stoppen. Und der einzige Ausweg liegt einerseits in der ehrlichen Begegnung der Politiker und andererseits in der aufklärenden Konfrontation islamischer Wissenschaftler und Theologen für die jungen Muslime.

3- Die irrationale Darstellung islamischer Gebete und die Zerstörung religiöser Glaubensansichten:

Mit einer Betrachtung des Kerns der islamischen Welt, kann man unter ihnen deutlich Zweige der Uneinigkeit, Zwietracht und des Verrats und des Misstrauens in Bezug auf das Prinzip des Islam erkennen und verspüren, da sie sich in der Praxis so verhalten, als würden alle Menschen, obgleich welcher Nation oder welchem Stamm sie angehören, Zweifel in Bezug auf die Wahrhaftigkeit des Islam und deren Rationalität hegen. Als ein Beispiel wurde die Thematik der Haj-Pilgerreise dieses Jahr mit der Tötung von mehr als 5.000 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Glaubensrichtungen auf eine solche Art und Weise wiedergegeben, dass diese große Pilgerreise und diese bedeutsame Anbetung auf internationaler Ebene als eine törichte Tat dargestellt und präsentiert wurde. Sie haben mit ihrer Tat dafür gesorgt, dass diese tiefgründige und mystische sowie beruhigende Haj- Pilgerreise ihre hohe Stellung und ihren wunderbaren und wertvollen sowie menschlichen und spirituellen Stellenwert verliert und weltweit degradiert wird und sich in eine irrationale, unvernünftige und törichte Tat verwandelt. Und diese Degradierung zeigt sich auch auf eine andere Art und Weise in dem Verhalten in Bezug auf die verdächtigen und den Bestrafungen sehr klar und deutlich.

4- Der Einwand gegen alle islamischen Glaubensrichtungen von der sunnitischen bis hin zur schiitischen Glaubensrichtung:

Das gegenwärtige Verhalten der Regierung Saudi Arabiens basiert auch auf die Bildung von Konflikten und Streitigkeiten zwischen den Schiiten und Sunniten, wobei sich die Schiiten und alle religiösen Glaubensrichtungen der Sunniten, aus ihrer Sicht, vom Islam distanzieren und nicht dazu gehören. Einige Medien und Politiker aus dem Westen versuchen jedoch unwägbar oder unwissend die Thematik auf den Konflikt der Schiiten und Sunniten zu reduzieren; und diese Angelegenheit sollte in Bezug auf die Entstehung von Konflikten und Spaltungen innerhalb der islamischen Welt reflektiert werden. Die Wahrheit liegt jedoch darin, dass die Regierung Saudi Arabiens und die salafistische exkommunikative und jihadistische Ansichtsweise weder Malikiten anerkennt, noch die Schafi’iten, noch die Hanafiten noch irgendeine andere islamische Rechtschule. Nach ihrer Auffassung und Theorie, gehört jeder Mensch, der kein Salafist ist, den Gegnern an und verdient den Tod. Beispielsweise wurde der kurdische und sunnitische Allameh Muhammad Sa’id Ramadan al-Buti im Jahr 2013 aufgrund seines Widerspruchs gegen die salafistische Ideologie und seiner Äußerung, dass diese Bewegung eine Neuerung darstelle und nicht islamisch sei, terrorisiert und in der Gebetsnische seiner eigenen Moschee mit 50 weiteren Mitbetern angegriffen, dem Erdboden gleichgemacht und brutal ermordet.

In Bezug auf Sheykh Al-Nimr muss man auch sagen, dass er eine Person war, die niemals eine Waffe mit sich trug und keinesfalls eine praktische Tat gegen die Sicherheit der Menschen beging – er verheimlichte und verschleierte nur seine eigene Meinung nicht. Er war ein Gelehrter, der stets für die Brüderlichkeit und Freundschaft und den Frieden zwischen den unterschiedlichen Stämmen und Glaubensrichtungen der islamischen Welt sprach und sich darum bemühte.



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