Islamisches Zentrum Hamburg
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Nachrichten Code : 86675
Datum der Veröffentlichung : 11/5/2015 7:49:38 PM
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Islamwissenschaft 157 - Islam und moralische Rechte 2

Im Namen Allahs, des Barmherzigen, des Allerbarmers

Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen sei mit unserem Propheten Muhammad, seinen reinen Nachkommen und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

In der letzten Woche haben wir uns vorgenommen, die „Abhandlung der Rechte“ (Risalat al-Huquq) von Imam Sadschad (as) zu studieren, sodass die Rechte, welche im Islam verankert sind, aufgezeigt und verdeutlicht werden. Ohne Zweifel spielt jeder, der in diesem Rechtswerk erwähnten Aspekte, bei der menschlichen Vervollkommnung eine wichtige Rolle.

Das Recht Gottes, welches das größte Recht gegenüber dem Menschen darstellt, ist, dass die Menschen ihren Schöpfer erkennen und ihm gehorchen und nur ihm die Anbetung widmen. Das Recht beinhaltet, dass sie gegenüber ihrem Gott unterwürfig sind und mit ihrem Gottesdienst und ihrer Anbetung seine Nähe ersuchen. Dies ist das größte Ideal des Menschen. So ist es, dass die Erkenntnis und Anbetung Gottes dem Menschen dient, dass sie Nutzen ziehen von den vollkommenen Eigenschaften ihres Schöpfers. Daher ist es, dass die Menschen in ihrem Leben stets einer Prüfung Gottes gegenüberstehen, durch dessen Bestehen sie die Stufen zur Vervollkommnung und Fortschritt beschreiten. Daher definiert Imam Sadschad (as) den Gottesdienst (Ibada) als das Recht Gottes und hebt hervor, dass ihm nichts beigesellt werden darf (kein „Schirk“ begangen werden darf), da jede Art der Beigesellung verhindert, dass der Mensch sich entwickelt. Der „Schirk“ ist entweder offensichtlich oder versteckt.

Die offene und klare Beigesellung ist, dass der Mensch dem Schöpfer einen Teilhaber beigesellt. Es ist klar, dass diese Art der Beigesellung dem gesamten Prinzip der Einheit (Tauhid) zuwider ist, denn der allmächtige Schöpfer ist einzig und alleine und hat keine Teilhaber in seiner Macht. Aus diesem Grund wurde in den Lehren der göttlichen Propheten stets erinnert, dass man Allah keinen Teilhaber beigesellen soll, da er in seiner Einheit existiert: « وَ إِلهُكُمْ إِلهٌ واحِدٌ لا إِلهَ إِلاَّ هُوَ الرَّحْمنُ الرَّحيمُ».[1] So ist es, dass der erste Satz der Propheten, welche zum Islam einluden, lautete « قولوا لا اله الاّ اللّه تفلحوا و تنجحو» und sie somit zur Einheit Gottes gerufen haben. In den göttlichen Versen wurde die Beigesellung als ein gewaltiges Unrecht beschrieben, welches nicht vergeben wird: «إِنَّ اللَّهَ لا يَغْفِرُ أَنْ يُشْرَكَ بِهِ»[2]
(„Wahrlich, Allah wird es nicht vergeben, daß Ihm Götter zur Seite gestellt werden“)

Eine andere Art der Beigesellung ist der „Schirk“ in den Taten. Dies bedeutet, dass der Mensch bei seinem Gottesdienst und Hilfeersuchung bei Gott, auch andere außer Gott miteinbringt. Diese Art der Beigesellung bringt in jeder Hinsicht Schaden mit sich und ist eine große Barriere dafür, sich selbst zu vervollkommnen und sich zu entwickeln und daher wird der Mensch dringend aufgerufen, dies zu unterlassen.
So sagt der heilige Vers:
«قُلْ إِنَّما أَنَا بَشَرٌ مِثْلُكُمْ يُوحى‏ إِلَيَّ أَنَّما إِلهُكُمْ إِلهٌ واحِدٌ فَمَنْ كانَ يَرْجُوا لِقاءَ رَبِّهِ فَلْيَعْمَلْ عَمَلاً صالِحاً وَ لا يُشْرِكْ بِعِبادَةِ رَبِّهِ أَحَداً» [3] Sprich: "Ich bin nur ein Mensch wie ihr, doch mir ist offenbart worden, dass euer Gott ein Einziger Gott ist. Möge denn derjenige, der auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, gute Werke tun und keinen anderen einbeziehen in den Dienst an seinem Herrn."

Diese Art der Beigesellung gegenüber dem Schöpfer ist in der islamischen Lehre stark untersagt. Man fragte den Gesandten Gottes (s) über den Vers «فَمَنْ كانَ يَرْجُوا لِقاءَ رَبِّهِ» - er antworte in Bezug auf diese: «من صلى مراياة الناس فهو مشرك، و من زكى مراياة الناس فهو مشرك، و من صام مراياة الناس فهو مشرك و من حج مراياة الناس فهو مشرك، و من عمل عملا بما امره الله عز و جل مراياة الناس فهو مشرك، و لا يقبل الله عز و جل عمل مراء
»[4]

„Derjenige, der betet, um sich vor den Menschen damit zu präsentierten ist ein „Muschrik“ (jemand der Gott andere beigesellt). Derjenige, der spendet oder fastet, um sich vor den Menschen damit zu schmücken, ist ein Muschrik. Derjenige, der auf die Pilgerfahrt geht, um sich vor den Menschen damit zu zeigen, ist ein Muschrik und derjenige, der irgendeine Tat, welche Gott ihm vorgeschrieben hat, ausführt, um vor den Menschen zu prahlen, ist ein Muschrik und der Schöpfer nimmt die Tat eines jeden, welche diese aufgrund von Augendienerei ausführt, nicht an.“

Der heilige Koran stellt ein, in Bezug auf die Beigesellung der Götzendiener, genaues Gleichnis auf: « حُنَفاءَ لِلَّهِ غَيْرَ مُشْرِكينَ بِهِ وَ مَنْ يُشْرِكْ بِاللَّهِ فَكَأَنَّما خَرَّ مِنَ السَّماءِ فَتَخْطَفُهُ الطَّيْرُ أَوْ تَهْوي بِهِ الرِّيحُ في‏ مَكانٍ سَحيق[5]
„Seid lauter gegen Allah, ohne dass ihr Ihm etwas zur Seite stellt. Und wer Allah etwas zur Seite stellt, ist (so), als fiele er vom Himmel und die Vögel erhaschten ihn oder der Wind verwehte ihn an einen fernen Ort.“
In diesem Vers deutet der Himmel auf die Einheit des Schöpfers hin und das „Fallen vom Himmel“ stellt die Beigesellung dar. Wenn der Mensch von dieser hohen Position hinabstürzt, so ereilt ihn eins von zwei schmerzhaften Schicksalen. Entweder erhaschen ihn die Aasgeier bevor er zu Boden fällt und es wird nichts von ihm übrig bleiben oder wenn er ihnen entfliehen kann, so erreicht ihn ein starker und tödlicher Sturm und weht ihn an einen fernen Ort und zersetzt ihn.
Dieser Sturm stellt den Satan dar und seine Einflüsterungen, mit denen er versucht, die Menschen vom rechten Weg abzubringen.

Es ist offensichtlich, dass wenn eine Person sich mit der Plage der Beigesellung (Schirk) auseinandergesetzt und dieser Widerstand leistet, so kann man diesen nur schwer vom richtigen Weg abbringen. Aus diesem Grund ist es, dass einige Herrscher versuchten, dass diese Lehren die Menschen nicht erreichen, damit sie die Menschen unwissend halten und von ihnen besser Nutzen ziehen konnten.

Imam Sadiq (as) sagte hierzu: „Die Dynastie der Umayyaden ließ die Menschen frei, beim Erlernen des Glaubens (Iman). Jedoch ließen sie die Menschen nicht frei beim Erlernen der Aspekte der Beigesellung (Schirk), sodass sie diese erkennen könnten. Auf solch eine Art und Weise, dass die Menschen nicht merkten, wenn sie zum Götzendienst und der Beigesellung gerufen wurden.“[6]

Faidh-al-Kashani sagt in seiner Erklärung zu dieser Überlieferung: „Bani Umayya gierte nach einem Gehorsam der Menschen ihnen gegenüber, in welchem sie keine Fragen gegenüber dem Herrscher stellen. Daher haben sie das Erlernen der Angelegenheit des Glaubens und der Einheit des Schöpfers ermöglicht, jedoch nicht das Erlernen der Angelegenheiten der Beigesellung.
Dies hatte den Grund, dass wenn die Menschen die Bedeutung und die Dimension des Götzendienstes bzw. der Beigesellung nicht verstehen, sie diesen schnell annehmen werden – doch würden die Menschen jene Bedeutung kennen, so würden sie gewiss den Herrscher der Bani Umayya nicht befolgen und ihnen gehorchen.“[7]


Diese Methode ist jedoch eine allgemein genutzte, aller rechthaberischer, egoistischer und machthaberischer Herrscher, die Menschen unwissend und fehlgeleitet zu halten, sodass die unterdrückende Regierung den größtmöglichen Nutzen vom Volk ziehen kann.

In den Lehren des Islams wurde dem versteckten Schirk bereits ein Name gegeben – die Augendienerei. Die Augendienerei ist eine starke Barriere für den Fortschritt des Menschen und zerstört alle Taten und macht diese ebenso allesamt ungültig. Wir begnügen uns an dieser Stelle mit einer Überlieferung.

Man fragte Imam Sadiq (as) über diese Aussage des Propheten (s), in welcher er sagte: „Der Schirk ist versteckter als die Schritte einer Ameise in der Nacht auf einem schwarzen Stein“. Der Imam antwortete hierzu: „ Die Gläubigen schmähten die Götzen der Polytheisten, und so schmähten die Götzendiener den Gott der Gläubigen. So untersagte Gott den Gläubigen diese Tat, sodass di Götzendiener dies ebenfalls unterlassen, denn sonst hätten sie auf diesem Wege, unwissentlich Gott etwas beigesellt. Gott untersagte den Gläubigen in der Sure al-An‘am, die Götzen der Polytheisten zu beleidigen:
«عَنْ مَسْعَدَةَ بْنِ صَدَقَةَ عَنْ أَبِي عَبْدِ اللَّهِ (ع) قَالَ‏ إِنَّهُ سُئِلَ عَنْ قَوْلِ النَّبِيِّ ص إِنَّ الشِّرْكَ أَخْفَى مِنْ دَبِيبِ النَّمْلِ‏- عَلَى صَفَاةٍ سَوْدَاءَ فِي لَيْلَةٍ ظَلْمَاءَ، فَقَالَ كَانَ الْمُؤْمِنُونَ يَسُبُّونَ مَا يَعْبُدُ الْمُشْرِكُونَ مِنْ دُونِ اللَّهِ- وَ كَانَ الْمُشْرِكُونَ يَسُبُّونَ مَا يَعْبُدُ الْمُؤْمِنُونَ فَنَهَى اللَّهُ الْمُؤْمِنِينَ عَنْ سَبِّ آلِهَتِهِمْ- لِكَيْلَا يَسُبَّ الْكُفَّارُ إِلَهَ الْمُؤْمِنِينَ فَيَكُونَ الْمُؤْمِنُونَ قَدْ أَشْرَكُوا بِاللَّهِ- مِنْ حَيْثُ لَا يَعْلَمُونَ فَقَالَ: «وَ لا تَسُبُّوا الَّذِينَ يَدْعُونَ مِنْ دُونِ اللَّهِ- فَيَسُبُّوا اللَّهَ عَدْواً بِغَيْرِ عِلْم‏».[8]

 

 

 



[1] Sure al-Baqarah, Vers 163

[2] Sure an-Nissa, Vers  48

[3] Sure al-Kahf, Vers 110

[4] Tafsir Nur ath-Thaqalayn, Band 3, Seite 314

[5] Sure al-Haj, Vers 31

[6] Ash-Shafi, Band 1, Seite 146

[7] Siehe 6.

[8] Bihar-ul-Anwar, Band 72, Seite 93


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